Medienpraxis

Grundlagen des Fernseh- und Printjournalismus


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Journalistendeutsch, Teil 9

der Einstimmer: Ein Kurzfilm zu Beginn eines (zumeist monothematischen) Fernsehmagazins, der das Hauptthema umreißt. Vor allem in Politmagazinen oder Wahlsendungen stellen sie knapp und oft pointiert den Zuschauern nochmal die wesentlichen Akteure und Entwicklungen vor. Gutes Beispiel ist dieser ZDF-Einstimmer zur US-Wahl 2012.

der Hintersetzer: Der Begriff stammt aus der Zeit, als es beim Fernsehen noch echte Kulissen gab, die teils geschnitten und geklebt wurden. In Nachrichten und Magazinen sind Hintersetzer die themenbezogenen Fotos, Karten und Collagen neben dem Moderator, während dieser eine Meldung vorliest oder einen Beitrag anmoderiert. Heute entstehen die meisten Illustrationen am Computer – der Grafikdesigner Robert Birkholz zeigt einige auf seiner Website.  Am Filmset manchmal auch Rücksetzer genannt, ist der Hintersetzer dort eine großflächige Deko.

das Hurenkind: Ein einprägsamer Namen für Schriftsatz-Patzer, wenn die letzte Zeile eines Absatzes durch einen Fehler auf eine neue Seite oder in eine neue Spalte wandert. Sie steht dort dann allein und stört deshalb Ästhetik und Lesefluss. Der Schusterjunge ist das Gegenstück: die erste Zeile eines neuen Absatzes, die allein am Schluss einer Seite/Spalte steht. Die Printblogger erklären in ihrem Blog, was genau hinter diesen Begriffen steckt und kennen noch einen weiteren Druckpatzer – den Fliegenschiss.

die Anschlußfehler: Sie passieren in den teuersten Filmen, und manche Kinofans sind süchtig danach, diese Nachlässigkeiten aufzuspüren. Auch in manchem 1:30er-Bericht tauchen sie auf: Der Interviewpartner sitzt erst im Jackett am Schreibtisch, eine Einstellung später hat er es ausgezogen. Anschlussfehler entstehen meist, weil Szenen nicht kontinuierlich bzw. aus verschiedenen Blickwinkeln mehrfach gedreht wurden oder weil das eine oder andere nochmal wiederholt werden musste. Die Website moviemistakes.com sammelt solche Pannen: Allein bei Star Wars sollen es etwa 250 sein – einige zeigt das Video.


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Datenjournalismus selbst ausprobiert – erster Schritt: Excel begreifen

Mathe war nie mein Lieblingsfach, und das Statistikseminar an der Uni – naja, besser Schwamm drüber. Jetzt aber kasteie ich mich freiwillig mit Zahlenbergen und Excel-Tabellen: Denn ich will die Grundlagen des Datenjournalismus lernen, zumindest begreifen. Zum einen hoffe ich, dass man beim Datenkramen neue, interessante Themen und Zusammenhänge findet. Zum anderen gibt es immer mehr öffentlich verfügbare Daten, und der versierte Umgang damit wird ein Plus und vielleicht auch ein Muss für jeden (freien) Journalisten sein: “Daten sind das neue Öl”. In den kommenden Wochen und Monaten will ich hier ein kleines Datenjournalismusprodukt – zu welchem Thema, steht noch nicht fest – zustande zu bringen: als Infografik, als Tabelle, wie auch immer.

Wo sind also die Webseiten, die Einsteiger-Tutorials, die auch von mathematischen Nullnummern wie mir begriffen werden? Muss ich programmieren können, oder gibt es einfache Tools, die jedermann bedienen kann?

sod_11Eine erste Googlesuche: Die Trendblogger definieren Datenjournalismus als “Journalismus von Journalisten, die programmieren können”. Anderswo – z.B. in einem Artikel von Lorenz Matzat für den journalist - heißt es, dass man Tabellenkalkulationsprogramme wie Excel oder OpenOffice beherrschen sollte, für den Rest existieren oft weitere Tools im Netz. Das macht Mut – also, ran an Excel!

Das Verstehen der Kästchen und der darin eingetragenen Werte ist wohl schon ein Indiz dafür, ob man überhaupt Datenjournalismus-geeignet ist. So sieht es zumindest Bettina Taylor, die im Werkzeugkasten des Datenjournals ihr Arbeiten mit Excel beschreibt und in einem Video ein paar recht einfache Funktionen zeigt.

Das “Tutorial: Crashkurs Excel für Datenjournalismus” von OpenDataCity geht da bereits weiter – mir allerdings in diesem ersten Schritt zu weit. Ich will erstmal generell verstehen, wie Excel funktioniert!

Und das macht auf einfache Weise das englischsprachige Blog School of Data klar. Der sehr verständliche Onlinekurs hat ein Extrakapitel zum Thema Excel: “Sort and Filter: The basics of spreadsheets”. Das Gelesene kann mit Übungen gleich ausprobiert werden. Dafür empfiehlt es sich, vorher einen Google-Account anzulegen, da mit Google docs gearbeitet wird. Die Übungen klappen meist auf Anhieb, als Schnelltest gibt es zum Ende eines jeden Abschnitts Fragen und kleine Aufgaben.

Wer mit den Grundlagen starten will, kann auch das Spreadsheet-Tutorial des Knight Digital Media Centers probieren. Hier wird alles Schritt für Schritt erklärt, vom Aufbau einer Exceltabelle bis zum Import von Daten. Auch hier gibt es gezielte Anleitungen – Schnelltests wie bei School of Data, ob man das Gelesene auch wirklich anwenden kann, fehlen jedoch. Der School of Data-Kurs ist deshalb erstmal mein Favorit. Das KDMC – beheimatet an der Berkeley Graduate School of Journalism – bietet übrigens noch viel mehr freie Tutorials an, nicht nur zum Thema Daten. Gute und einfach zu verstehende Excel-Einführungen in Deutsch existieren übrigens kaum.

Hier nochmal einige wichtige Links zusammengefasst:

Wer von Euch hat Tipps für Tutorials oder versucht sich auch im Datenjournalismus? Schreibt mir: medienpraxis [kringel] gmx-topmail [punkt] de.

“Anyone can do it. Data journalism is the new punk. (Simon Rogers, Editor des Guardian Data Blog)


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Wie man einen TV-Beitrag aufbaut – und wie O-Töne dabei helfen

Nicht nur wer neu beim Fernsehen ist, stellt sich oft die Frage, wie er am besten einen Beitrag baut. Hilfreich beim Finden einer Dramaturgie (beschrieben im Blogpost Wie muss ein TV-Beitrag aufgebaut sein?) ist vor allem ein Blick auf die O-Töne, die zum Thema vorhanden sind. O-Töne sind Leben – und wichtige Säulen in der Struktur eines Stückes. Volkes Stimme oder ein Experte/Politiker vermitteln dem Zuschauer Authentizität und Informationen aus erster Hand. Spätestens nach 20-30 Sekunden sollte in einem Beitrag der erste O-Ton kommen: Wenn sich nach dieser Zeitspanne auf der Bildebene nichts wesentlich ändert, sinkt die Aufmerksamkeit der Fernsehzuschauer – das haben Psychologen und  Kommunikationswissenschaftler herausgefunden.

Deshalb hier ein paar Tipps:

1. Beim Sichten des Drehmaterials mit den O-Tönen beginnen (das gilt vor allem wenn man Drehmaterial zugeliefert bekommt)! Die Aussagen der Protagonisten helfen, den Erzählfaden zu stricken – von ihnen ausgehend lassen sich Anfang und Struktur des Beitrages leichter gestalten.

2. Wähle starke O-Töne mit Emotionen, mit Eindrücken und Infos, welche nur die Augenzeugen/Experten/Betroffenen haben können! Andere, allgemeine Infos kann der Redakteur in seinem eigenen Text unterbringen. Oft hilft es, den aussagekräftigsten als ersten O-Ton zu platzieren.

3. O-Töne müssen “angetextet” werden. Der Redakteur muß mit einem entsprechenden Satz zur Aussage hinleiten – sonst hat der Zuschauer das Gefühl, dass plötzlich jemand “hereinplatzt”. Besonders Fernsehneulingen passiert dieser Fehler oft. Der einleitende Satz gibt meist schon die Richtung vor,  in die der O-Ton läuft. Etwa beim Politikerstreit über ein bestimmtes Thema (etwa Mindestlohn), nach dem O-Ton von Partei X : “Das sieht Partei Y hingegen ganz anders, sie verweist auf ihr eigenes Konzept: …”

4. Die meisten O-Töne sind cirka 20 Sekunden lang - was darüber hinausgeht, wird vom Zuschauer oft als länglich empfunden. 20 Sekunden entsprechen in etwa 3 bis 4 Sätzen.

5. Gute, starke O-Töne können eher schwache Bilder ausgleichen, zumindest zum Teil. Pro und Contra aneinandergeschnitten bringt Spannung – und O-Töne, die sich gegenseitig ergänzen, verpassen einem Beitrag Tempo.

6. Man sollte Beiträge nicht mit O-Tönen überfrachten. In einen 1:30-min-Beitrag passen meist nicht mehr als drei Aussagen -  um sie herum sollte noch genug Platz für die Geschichte sein!


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Fanfaren, Gongs und Skylineflüge – die Welt der Nachrichten-Intros

Er soll Erkennungssignal sein, Aufmerksamkeit wecken und neugierig machen: Der Nachrichtenvorspann – neudeutsch Intro beziehungsweise Opening. Er ist sozusagen Eingangstür zum Seriösesten und Wichtigsten, was ein Fernsehprogramm bietet. Wie gestalten Sender dieses Element – speziell in einer Zeit, wo viele das Neueste eh schon längst auf ihrem Smartphone gelesen haben? Mit welchen gestalterischen Mitteln machen Redaktionen klar, dass sie kompetent über Weltereignisse informieren? Lasst uns dazu auf eine kurze Reise durch die Intro-Welt gehen!

Das Rezept in vielen Fällen: ein Jingle meist mit Fanfarenklängen, eine Animation mit Globus oder Weltkarten sowie Sequenzen zu den Topthemen des Tages. Im Detail aber gibt es interessante Unterschiede – etwa beim Farbdesign. So wird allgemein Blau als Nachrichtenfarbe eingesetzt, zu sehen an vielen Studios (tagesschau, heute oder die Nachrichten im spanischen Sender TVE1, seit Januar 2012 in neuem Design). Das wirkt seriös, konservativ und strahlt Ruhe aus. Auch Rot wie bei der BBC ist ab und an zu sehen. Der britische Sender ITV hingegen hat sich bei seinem Redesign 2009 für eine  Kombination aus Schwarz- und Goldtönen entschieden.

Der dänische Sender DR2 hat seine Nachrichten 2010 neu gestaltet und ebenfalls Farben außerhalb der Reihe gewählt: Das Nachrichtenstudio zeigt sich zwar in Blau und Türkis, doch der in Schwarz und Dunkelgrün gehaltene Vorspann setzt sich davon ab. Interessant auch, wie die bei Intros üblichen Weltkugeln oder -karten im Detail verfremdet wurden. Gutes Artwork!

Typisch für den Aufbau vieler Openings ist der Start mit einer Uhr. Die BBC wählte dafür einen Countdown, der immer wieder die eigenen Korrespondenten in den Mittelpunkt rückt – den Zuschauern werden so Nähe zum Geschehen und Präsenz vermittelt. Im Sommer 2012 wurden die Countdown-Filme ganz auf Olympia und die Paralympics abgestimmt.

Die Moderatoren werden häufig durch eine Off-Stimme während des Vorspanns angekündigt. US-Nachrichten sind traditionell stärker auf die Persönlichkeiten ihrer Anchor zugeschnitten – bei den Eyewitness News von ABC 7 wird das besonders deutlich: Gleich zu Anfang wird ausführlich das Moderatorenteam vorgestellt.

Meist erfahren die Zuschauer in einem Themenüberblick, worüber die Nachrichten gleich berichten. Den Impuls dazu sollen die Vorspänne und Trailer bei CNN gegeben haben, die der Sender zu Zeiten des ersten Golfkrieges Anfang der 1990er Jahre zeigte. Bei der ZDF-heute-Sendung oder RTL aktuell sind es drei Themen, die mit je ein-zwei Sätzen vom Moderator kurz benannt werden. Andere Sender reißen ihre Hauptthemen tiefergehend an und peppen ihre Überblicke zudem mit O-Tönen auf, um die Zuschauer noch stärker in die Sendung hineinzuziehen –  wie das dänische Programm DR1.

Fester Teil vieler Openings sind seit ein paar Jahren aufwändige Animationen sowie Kameraflüge ins Nachrichtenstudio: Hightech für’s Erstellen virtueller Welten sowie Kameraroboter machen solche imposanten Eyecatcher möglich. Bei RTL aktuell geht es über die Skyline von halb Europa, bei der russischen Nachrichtensendung Vremja macht die Kamera einen langen Schwenk durch ein protzig-riesiges (und um diese Zeit leeres)  Senderbüro.

Eines der wohl ausgefeiltesten und bombastischsten Openings war bis November 2009 das der abendlichen News at Ten beim britischen Sender ITV. Nach einer kurzen MAZ zum wichtigsten Thema wurde der Zuschauer mitgenommen zur Tour über eine detailreich in Szene gesetzte Londoner Skyline: Entlang der Themse und vorbei am London Eye ging es unter wuchtigen Paukenschlägen zum Big Ben. Beim Stundenschlag wurde auf’s Newsstudio umgeschnitten. Die tagesschau-Fanfare und andere öffentlich-rechtliche News-Opener wirken dagegen mehr als nüchtern.

ITV verbannte das Hauptstadt-Motiv nach vielen Jahren  jedoch, weil es dem Sender zu London-zentriert wirkte und man meinte, Zuschauer in anderen Regionen zu verärgern. Schade, denn grandioser und aufsehenerregender konnte ein News-Opening kaum sein. Hier wurde der Nachrichtenauftakt regelrecht zelebriert: Über eine Minute dauerte es von der Ankündigung des ersten Themas bis zur ersten Moderation – die Tagesthemen brauchen dafür im Schnitt 30 Sekunden.


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Zeitungen: Soviel Krise war noch nie?

Die FTD tot, FR und dapd insolvent, Kürzungen beim Berliner Verlag: Mit Wucht ist der Medienwandel in Deutschland angekommen. Die Bundesagentur für Arbeit spricht von der größten Entlassungswelle in der Presse seit 1949. Für ostdeutsche Journalisten wie für mich hat es dennoch etwas von einem Déjà-vu, denn vor etwa 20 Jahren gab es in den “neuen Bundesländern” schonmal ähnliches.

Damals kurz nach der Wende setzten die neuen Chefs in den früheren Parteiblättern den Rotstift an. Besonders heftig erwischte es die Zeitungen der Nicht-SED-Parteien: Zu DDR-Zeiten klein gehalten und meist ohne Lokalredaktionen, konnten sie auch nach der Wende den Ex-SED-Zeitungen und deren riesigen Auflagen kaum Paroli bieten. Es begann ein massiver Konzentrationsprozess mit Kürzungswellen, Hunderten von Entlassungen und Mehrfachfusionen. Als sich beispielsweise Ende 1991 in Dresden DIE UNION und die Dresdner Neuesten Nachrichten zusammenschlossen, hieß das quasi: Aus Drei mach Eins. Denn die Dresdner Neuesten Nachrichten waren bereits ein Konglomerat aus Sächsischem Tageblatt und Sächsischen Neuesten Nachrichten, entstanden im Juli 1990. Insgesamt wurden also drei Vollredaktionen eingedampft auf eine. Und der Stellenabbau ging weiter, als die neugeschaffenen Dresdner Neuesten Nachrichten/DIE UNION wenige Jahre später ihren Mantel von der Leipziger Volkszeitung bekamen. Bei vielen anderen Blättern stand am Ende die Schließung: etwa bei der NEUEN ZEIT - die sich der FAZ-Verlag als führende Ost-Tageszeitung erträumt hatte - , dem Morgen oder fast allen Nachwende-Neugründungen. Die ostdeutsche Zeitungslandschaft lichtete sich Anfang der 1990er Jahre erheblich, der Einzeitungskreis wurde (fast) zur Regel – auch in Großstädten wie Leipzig oder Magdeburg.

"Das sind wir" - die Redakteure der frisch fusionierten "Dresdner Neuesten Nachrichten" in der ersten Ausgabe der Zeitung vom 02.12.1991

“Das sind wir” – die Redakteure der frisch fusionierten “Dresdner Neuesten Nachrichten/DIE UNION” in der ersten Ausgabe der Zeitung vom 02.12.1991

Unterschied zur Printkrise heute: Anderswo entstand in Größenordnungen auch Neues. Viele der Dresdner Kollegen gingen zum eben gegründeten MDR mit seinen Fernseh- und Hörfunkredaktionen, einige zum Privatradio oder als Pressesprecher zu Behörden und Krankenkassen. Die meisten kamen irgendwo unter, viele waren am Ende recht zufrieden mit ihrem neuen Job.

Heute sind solche Nischen mehr als rar. Glück hat, wer noch einen Fuß in die PR oder Öffentlichkeitsarbeit reinkriegt, denn auch da ist der Markt schon fast zu, schreibt die Karriere-Expertin Svenja Hofert in ihrem Blog. Vor einigen Tagen fragte Jan Söfjer – ausgebildet an der Zeitenspiegel-Reportageschule, mit Referenzen u.a. bei Spiegel Online, Berliner Zeitung und DIE ZEIT  - auf seiner facebook-Seite, ob es noch Sinn macht, freier Schreiber zu bleiben: “Ich möchte nichts anderes machen. Aber wird mir eine Wahl bleiben?”

Frei zu arbeiten – was wird das also künftig heißen? Wohl sicher, dass noch mehr Journalisten ihr Geld neben dem Schreiben in mehr oder weniger artfremden Bereichen verdienen müssen. Schon 2008 traf das laut einer Studie auf jeden zweiten Freien zu. Zweitens, dass Freie zunehmend selbst nach neuen Finanzierungsmöglichkeiten außerhalb der Medienhäuser suchen müssen – Stichwort Crowdfunding. Wer eigene Ideen umsetzen oder Themen ohne Lobby beackern will, sollte sich damit auseinandersetzen. Drittens: Journalismus wird vielleicht zunehmend zum Job auf Zeit. Wie bei Michael Knopf, einst preisgekrönter Schreiber bei Süddeutscher und FAS: Nach Schließung seiner Redaktion sattelte er auf Olivenöl um.


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Dresdner Journalistenprozess: “Der Versuch, mundtot zu machen”

Dass Reporter ohne Grenzen auf seiner Website nicht nur die Medienzensur in China, sondern auch deutsche Behörden ankreidet, dürfte so oft wohl nicht vorkommen. Es geht dabei um die beiden Journalisten Thomas Datt und Arndt Ginzel, die ab heute in einem Berufungsverfahren vor dem Landgericht Dresden stehen. 2010 waren sie vom Amtsgericht der Stadt zu je 2500 Euro Geldstrafe verurteilt worden – wegen eines ZEIT-Artikels zum sogenannten “Sachsensumpf”. Sie hatten über die Ermittlungen zu einem Minderjährigen-Bordell in Leipzig kritisch berichtet.

Dabei warfen Datt und Ginzel auch die Frage auf, ob die Polizisten wirklich frei ermitteln konnten – ein einflussreicher Richter solle gegen sie eine Dienstaufsichtsbeschwerde erhoben haben. Das Gericht wertete das als “üble Nachrede”, die strafrechtliche Konsequenzen nach sich zog.

Sowohl Reporter ohne Grenzen als auch das netzwerk recherche und der Deutsche Journalisten-Verband kritisieren die sächsische Justiz und sehen im Urteil die Absicht, unliebsame Redakteure einzuschüchtern. “Es ist ganz klar der Versuch, vor allem freiberufliche Journalisten … mundtot zu machen”, meint DJV-Geschäftsführer Kajo Döhring in einem Interview. Das Medium Magazin zeichnete Datt und Ginzel 2010 übrigens als Journalisten des Jahres aus – für ihre Hartnäckigkeit in Sachen Recherche.

Sollten die beiden Leipziger auch in der Berufung keinen Erfolg haben, wollen die Journalisten-Organisationen laut MDR-Info die Angelegenheit mit ihnen bis zur obersten Instanz, dem Bundesverfassungsgericht, durchfechten.


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Journalistendeutsch, Teil 8

der “Gog”: ”Gang ohne Grund” vorbei an einer Kamera – beliebtes Motiv für die sogenannten Antextbilder, mit denen in einem Fernsehbeitrag neue Interviewpartner oder Protagonisten eingeführt werden.

der Ploppkiller oder Ploppschutz: ein Schaumstoffkörper, der über Radio- und Fernsehmikros gezogen wird – oft mit einem Senderlogo versehen. Er soll beim Ansprechen das ploppende Geräusch der “p”- und “t”-Laute verhindern, gleichzeitig dient er als leichter Windschutz. Übrigens ist eine Firma aus Ostwestfalen (Schulze-Brakel) weltweit Platzhirsch der Ploppschutzfabrikanten.

“Und bitte!” – das “Action!” in der aktuellen Berichterstattung. Gern gebraucht als Signalruf vom Kameramann, dass er aufnahmebereit ist und der Redakteur sein Interview starten oder der Protagonist seinen “Gog” beginnen kann.

die SNG: eine typische Fernsehvokabel aus dem Englischen und Abkürzung für Satellite News Gathering. Damit ist zum einen das Übertragen von Bildern ins Funkhaus via Satellit gemeint. Zum anderen steht die Abkürzung für Fahrzeuge mit entsprechender Technik: meist Kleintransporter mit Schnittplatz an Bord und Satellitenschüssel auf dem Dach (Bild unten). Damit können nicht nur Beiträge direkt vor Ort geschnitten und ins Funkhaus überspielt werden, sondern eine Redaktion ist damit auch “live-fähig” – kann also während einer Sendung zu einem Reporter nach draußen schalten. Eine SNG ist meist mit drei Mann unterwegs: dem Kameramann, dem Redakteur und dem Operator – letzterer ist Ton-Assistent sowie Cutter und bedient die Satellitentechnik zum Bildüberspielen.

Die Easy Link ist das technisch etwas abgespeckte – und damit kostensparendere – System: Eine Satellitenanlage, die auch von einem Redakteur allein bedient werden kann. Die Easy Link wird oft für kleinere Ereignisse eingesetzt, während SNG-Fahrzeuge bei länger andauernden Berichterstattungen von einem Ort losgeschickt werden.

SNG-Fahrzeug

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